Kampf und Kult im Vorfeld zur Manifesta 11

Matyáš Chochola spürt den Momenten der Hingabe und der Aufopferung nach, die sowohl der Kampfkunst als auch der bildenden Kunst immanent sind. So zeugen Azem Maksutajs vierzehn Siege an den Muay-Thai-Weltmeisterschaften von seinem jahrzehntelangen spirituellen Training und von seinem Streben, Faustschläge und Tritte zu perfektionieren. Die hierfür notwendige körperliche und mentale Disziplin eröffnet den Athletinnen und Athleten eine Art Freiheitsgefühl und die Möglichkeit, in eine ganz andere Welt einzutauchen. Chochola, der nach ebendieser Welt in seiner künstlerischen Praxis sucht, forscht auf Sportgeräten wie Boxsäcken nach Spuren, die Geschichten von individuellen Anstrengungen und Erfahrungen erzählen. Die daraus entstandene skulpturale Arbeit wird präsentiert in Maksutajs Thaiboxschule in Winterthur, die von Zürich bequem in einer 25-minütigen Zugfahrt erreichbar ist.

Azem Maksutaj und Hradec Králové

Azem-Maksutaj-Kunstbulletin
Erkennen Sie den Mann auf dem Cover in Kriegsbemalung? Es ist Azem Maksutaj – eine Berühmtheit! Er ist 14-facher Weltmeister im Thaiboxen. Dies erfahren wir in der Episode 7 der Fotostory, mit der wir die Vorbereitungen zur Manifesta 11 seit neun Monaten begleiten. Die Reihe begann mit Una Szeeman – der einzigen Schweizerin in der Kerngruppe der rund dreissig geladenen Kunstschaffenden. Neugierig sind wir nun, wie uns die internationalen Gäste wahrnehmen, mit ­welchen Klischees und Berufsbildern sie angereist sind. Dass die Selbst- und Fremdbilder ein wichtiger Teil der Grossausstellung sein werden, geht auch aus der Episode 7 hervor. «Ich arbeite gerne mit Klischees. Die Masken der Menschen zeigen am ­allerbesten, was dahinter verborgen liegt.» – so der Prager Künstler Matyáš Cho­chola im rituellen, Farbpulver-umwölkten Kampf mit Azem auf einer Zürcher Waldlichtung. Mit Schmunzeln lesen wir, dass der Muskelmann aus Kosovo stammt – ja klar. Klar? Ertappt! Wir sind voller Klischees, mal humorvollen, mal zynischen. In ‹Das Unbehagen in der Kultur› beschreibt Sigmund Freud diese Form von Abgrenzung und – leicht instrumentalisierbarer – Aggression zwischen sich nahestehenden und zugleich konkurrenzierenden Gemeinschaften als «Narzissmus der kleinen Differenzen».

Die Manifesta 11 wird am 11. Juni in Zürich ihre Tore öffnen. Nebst den Hauptausstellungen und dem Pavillon of Reflections werden ca. 30 Satelliten bei den künstlerischen «Hosts» zu entdecken sein: im Klärwerk, in Imbissbuden, in der städtischen Feuerwehr, der Kantonspolizei etc. Dazu kommen die ‹Parallel Events› von lokalen Institutionen und Gruppierungen. Kunstbulletin hält dazu eine Überraschung bereit: Auf www.artlog.net navigieren wir Sie punktgenau von Ort zu Ort. Sie können sich auf einen spannenden sportlichen Sommer freuen.

News_Azem_Kampfsport-Kunstbulletin
 

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